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29.09.2021 - Zeitlos schöne Typographie

Giambattista Bodoni (* 1740 in Saluzzo, Piemont - † 30. November 1813 in Parma)


„Vor seinem Werk und Wirken verneigen sich die Drucker der Länder deutscher Sprache.“

So steht der Text auf einer Gedenktafel im Mausoleum des bedeutenden Schriftkünstlers in Parma. König der Drucker hat man ihn genannt. Seine Schriftschnitte erneuerten die Typografie und prägten die Stilrichtung der klassizistischen Schriften entscheidend mit.

Bodoni war ein talentierter Stempelschneider, der am Beginn seiner Laufbahn vier Jahre in der Polyglottendruckerei von Propaganda Fide seine Kunstfertigkeit perfektionierte. Aus dieser Zeit stammt das Tibetanische Alphabet von Pater Giorgi, das er aufgrund der Wertschätzung seines Auftraggebers sogar signieren durfte. Nach seiner Ausbildung kehrt er in seine Heimat zurück, um die Druckerei des Herzogs Ferdinand von Parma aufzubauen. 1783 wird Bodoni zum königlich spanischen Hoftypografen ernannt. 1788 setzte und druckte er das wunderbare Buch Manuale Tipografico mit einhundert lateinischen runden, fünfzig kursiven und achtundzwanzig griechischen Minuskeltypen.

Giambattista Bodoniwird wurde vor allem wegen seiner herausragenden Typografie geschätzt, der Schönheit seiner Bücher. Der Inhalt war meist weniger beachtet. Der Schriftkünstler Firmin Didot sagte dazu: „Wenn seine Bücher auch den ersten Platz in den Sammlungen der Bücherfreunde einnehmen, so fehlen sie in den Bibliotheken der Gelehrten vollkommen. Als Schriftsteller verurteile ich sie, als Drucker muß ich sie bewundern.“

Der Wahlspruch der großen Schriftschneiders lautete: „Die Typen sind notwendig allein für sich selbst, jedoch der ganze Rest dient in der Hauptsache ihnen. Beginn und Ende der schönen Seite ist immer die Type, je präziser und perfekter sie nur sein kann“

Bodoni starb am 30. November 1813 in Parma, geplagt von der Gicht. Das Läuten der Kirchenglocken verkündete seinen Tod. Die Bürger Parmas, Stadt und Staat ehrten ihn mit einem festlichen Begräbnis.

Dreißig Jahre nach seinem Tod kauft die Herzogin von Parma, Marie Louise, den typographischen Nachlass von Giambattista Bodoni: 22.618 Prägestempel sowie 42.148 Matrizen von 289 verschiedenen Schriften, die im Museo Bodoni in Parma, zusammen mit vielen anderen Kostbarkeiten und Dokumenten, auf interessierte Besucher warten.


05.08.2021 - Gibt der Kante Farbe

Vom Farbschnitt sprechen wir, wenn sogar die Kante der Visitenkarten farbig sind. Ursprünglich diente der Farbschnitt zum Schutz vor Verschmutzung oder vor Vergilben des Papiers. Heute steht der ästhetische Aspekt im Vordergrund. Möglich sind gleiche Farben, Komplementärfarben oder Gold /Silber. Die Visitenkarten oder Einladungen wirken wertiger und haben das gewisse „etwas".


20.05.2019 - Regionale Spezialitäten verdienen regionale Banderolen

Uns freut es sehr, wenn wir regionale Spezialitäten mit Etiketten, Gebrauchsanweisungen oder Banderolen versehen dürfen. Auch unser Betrieb ist regional und handwerklich orientiert. Abseits vom großen Weltgeschehen wie der Globalisierung oder Industrie 4.0 schaffen wir passende Ausstattungen aus umweltfreundlichem Papier in kleineren bis mittleren Mengen. Individuell gedruckt, gerillt, gestanzt und im Falle unseres Bildes, um die Kässpatzenhobel gelegt.


21.09.2018 - Schrift wirkt – erst recht auf dem Zifferblatt

Wenn Schrift zum Ornament mutiert, zeigt sie sich deutlich von ihrer ästhetischen Seite.
Zur sachlichen Aufgabe der Textvermittlung offenbart sie ihre Schönheit in Schwung, Proportion und Rhythmik. Das Kalendarium der Astronomischen Uhr in der Marienkirche Rostock ist ein eindrucksvoller Beweis. Seit über 500 Jahren zeigt sie u.a. Datum, Jahreszeiten, Sternzeichen und die Uhrzeit an. Die aktuelle Kalenderscheibe dreht sich seit 2018, voraussichtlich bis 2150. Beeindruckt in den Ferien: Michael Brust


27.11.2017 - Wir suchen Gleichgesinnte: analoge Schreiber und Denker

Die Schriftkultur, die vielen Generationen als Mittel und Ansporn der intellektuellen Entwicklung und Fortschritt diente, scheint in der Zukunft keinen Platz mehr zu finden. Das, was man früher durch Lesen und Schreiben lernen konnte und gelernt hat und was zu der menschlichen Identität noch immer gehört – denken, verstehen, abstrakte Ideen entwickeln, sich etwas vorstellen, Bedeutungen schaffen und hinterfragen – wird immer schneller überholt und bald geradezu überflüssig sein. (Dr. Lena Kornyeyeva)
Diesem Trend wollen wir uns nicht anschließen und bewahren mit unserem Handwerk die Lust am Schreiben, drucken, anfassen und am Papier, „Gott grüß die Kunst".


30.01.2017 - Nur Analoges ist Wahres

Mit mindestens leichter Verblüffung wusste die „Süddeutsche Zeitung" Anfang des Jahres zu berichten: „Hochwertige Füllfederhalter mit Namensgravur waren ein Verkaufsschlager – zumindest in München. Auch die Firma Moleskin mit ihren Notizbüchern ... meldete einen Rekordumsatz von mehr als 100 Millionen Euro. Und die Umsätze mit Vinyl-Schallplatten lagen mancherorts erstmals vor den Downloads." Dann zitierte die „SZ" noch aus einem Buch* des kanadischen Schriftstellers David Sax: „Diese Teenager und Mittzwanziger kaufen sich neue Schallplattenspieler, Kameras mit Film und Romane als Taschenbücher. Sie wollen sich lieber von den Kanten eines Blattes begrenzen lassen, als von der Leistungsfähigkeit eines Mikroprozessors." Aufmerksame Beobachter sind nicht verblüfft, sie freuen sich über die Bestätigung eigener Beobachtungen: Nur Analoges ist Wahres. – rmb –

*"The Revenge of Analog: Real Things and Why They Matter"


13.01.2017 - Männer, die sich freuen wie Buben

„... unterbrochen von aufgeregten, pennälerhaften Besuchen im Schreibwarenladen, wo Zweig und Roth hemmungslos ihrer Leidenschaft für Füllfederhalter, Notizbücher, Bleistifte und Spezialtinte frönten." Dieses Zitat stammt a) aus einem lesenswerten Buch* und beschreibt b) Geschehnisse in einer Zeit, in der Schriftsteller (und solche, die sich dafür halten) noch nicht hinter Bildschirmen zu vereinsamen pflegten ...

Die Rede ist von Stefan Zweig („Schachnovelle") und Joseph Roth („Radetzkymarsch"), die beide der Nazis wegen ins Exil gehen mussten. Sie litten sehr darunter. Der „Werkstoff" von Schriftstellern ist die Sprache. Vielleicht können Maler den Verlust der (Sprach-)Heimat leichter verkraften. Muss aber nicht so sein. – rmb –

*George Prochnik: „Das unmögliche Exil. Stefan Zweig am Ende der Welt.", Verlag: C. H. Beck


06.07.2016 - Vinyl ist sexy
Die CD ist tot (Umsatzrückgang 16,5%) – lang lebe die Schallplatte! Sie bekommt Kratzer, ist zerbrechlich und unhandlich. Es gibt keinen rationalen Grund, LPs zu kaufen – und doch steigen die Verkaufszahlen seit Jahren (Umsatzplus 11,4%). Weil die Qualität besser ist, weil es erleb- und begreifbar ist. In der digitalen Welt sehnen wir uns in der Freizeit nach menschlich, physisch, analog.
01.07.2016 - Einfach und handgemacht tut gut.

Beliebte Mittelalterfeste in Kaufbeuren, Memmingen; ein Römerfest in Kempten; Exerzitien in der Stille oder Trend-Wandern in den Alpen. Sie alle signalisieren unserer Gesellschaft eines: Die digitale Welt ist schnell, leistungsfähig und so umfangreich wie omnipräsent. Aber wir wünschen uns auch ein Gegengewicht dazu. Zur Globalisierung das Regionalangebot, zum Sushi das Bauernbrot, zum Industrieprodukt die handgefertigte Ware. Beides hat seine Berechtigung und letzteres tut uns sogar gut, weil es den Lebensrhythmus verlangsamt, weil es uns Zeit lässt, den Druck rausnimmt. Fast alles lässt sich schneller, standardisierter und günstiger herstellen. So lange, bis alles gleich aussieht. Das ist aber nicht das Ziel von Geschäftsdrucksachen. Die sollen beeindrucken oder zumindest einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Deshalb stellen wir Drucksachen zum Fühlen her. Auf besonderes Papier und im Buchdruckverfahren. Buchdruck ist Kraft. Er drückt dem Karton seinen Stempel auf. Er macht aus der Drucksache ein Unikat, da sich alle Individualitäten der Buchstaben dem Gedruckten mitteilen. Es entsteht ein fühlbares Relief. Jeder Handgriff führt wohl bedacht zum handwerklichen Ziel. Gedanken, Gestaltung, manuelle Durchführung, Material und Verarbeitung brauchen die Zeit, die für ein schönes Produkt notwendig ist – und das ist zeitlos, auch in der Zukunft.