KAMMERLANDER
DRUCK OHG
KEMPTEN / ALLGÄU

30.01.2017 - Nur Analoges ist Wahres

Mit mindestens leichter Verblüffung wusste die „Süddeutsche Zeitung" Anfang des Jahres zu berichten: „Hochwertige Füllfederhalter mit Namensgravur waren ein Verkaufsschlager – zumindest in München. Auch die Firma Moleskin mit ihren Notizbüchern ... meldete einen Rekordumsatz von mehr als 100 Millionen Euro. Und die Umsätze mit Vinyl-Schallplatten lagen mancherorts erstmals vor den Downloads." Dann zitierte die „SZ" noch aus einem Buch* des kanadischen Schriftstellers David Sax: „Diese Teenager und Mittzwanziger kaufen sich neue Schallplattenspieler, Kameras mit Film und Romane als Taschenbücher. Sie wollen sich lieber von den Kanten eines Blattes begrenzen lassen, als von der Leistungsfähigkeit eines Mikroprozessors." Aufmerksame Beobachter sind nicht verblüfft, sie freuen sich über die Bestätigung eigener Beobachtungen: Nur Analoges ist Wahres. – rmb –

*"The Revenge of Analog: Real Things and Why They Matter"


13.01.2017 - Männer, die sich freuen wie Buben

„... unterbrochen von aufgeregten, pennälerhaften Besuchen im Schreibwarenladen, wo Zweig und Roth hemmungslos ihrer Leidenschaft für Füllfederhalter, Notizbücher, Bleistifte und Spezialtinte frönten." Dieses Zitat stammt a) aus einem lesenswerten Buch* und beschreibt b) Geschehnisse in einer Zeit, in der Schriftsteller (und solche, die sich dafür halten) noch nicht hinter Bildschirmen zu vereinsamen pflegten ...

Die Rede ist von Stefan Zweig („Schachnovelle") und Joseph Roth („Radetzkymarsch"), die beide der Nazis wegen ins Exil gehen mussten. Sie litten sehr darunter. Der „Werkstoff" von Schriftstellern ist die Sprache. Vielleicht können Maler den Verlust der (Sprach-)Heimat leichter verkraften. Muss aber nicht so sein. – rmb –

*George Prochnik: „Das unmögliche Exil. Stefan Zweig am Ende der Welt.", Verlag: C. H. Beck


06.07.2016 - Vinyl ist sexy
Die CD ist tot (Umsatzrückgang 16,5%) – lang lebe die Schallplatte! Sie bekommt Kratzer, ist zerbrechlich und unhandlich. Es gibt keinen rationalen Grund, LPs zu kaufen – und doch steigen die Verkaufszahlen seit Jahren (Umsatzplus 11,4%). Weil die Qualität besser ist, weil es erleb- und begreifbar ist. In der digitalen Welt sehnen wir uns in der Freizeit nach menschlich, physisch, analog.
01.07.2016 - Einfach und handgemacht tut gut.

Beliebte Mittelalterfeste in Kaufbeuren, Memmingen; ein Römerfest in Kempten; Exerzitien in der Stille oder Trend-Wandern in den Alpen. Sie alle signalisieren unserer Gesellschaft eines: Die digitale Welt ist schnell, leistungsfähig und so umfangreich wie omnipräsent. Aber wir wünschen uns auch ein Gegengewicht dazu. Zur Globalisierung das Regionalangebot, zum Sushi das Bauernbrot, zum Industrieprodukt die handgefertigte Ware. Beides hat seine Berechtigung und letzteres tut uns sogar gut, weil es den Lebensrhythmus verlangsamt, weil es uns Zeit lässt, den Druck rausnimmt. Fast alles lässt sich schneller, standardisierter und günstiger herstellen. So lange, bis alles gleich aussieht. Das ist aber nicht das Ziel von Geschäftsdrucksachen. Die sollen beeindrucken oder zumindest einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Deshalb stellen wir Drucksachen zum Fühlen her. Auf besonderes Papier und im Buchdruckverfahren. Buchdruck ist Kraft. Er drückt dem Karton seinen Stempel auf. Er macht aus der Drucksache ein Unikat, da sich alle Individualitäten der Buchstaben dem Gedruckten mitteilen. Es entsteht ein fühlbares Relief. Jeder Handgriff führt wohl bedacht zum handwerklichen Ziel. Gedanken, Gestaltung, manuelle Durchführung, Material und Verarbeitung brauchen die Zeit, die für ein schönes Produkt notwendig ist – und das ist zeitlos, auch in der Zukunft.